Saerbeck – Bericht Emsdettener Volkszeitung

Der SPD-Landratskandidat Dr. Stefan Giebel hat sich in Saerbeck über die Situation der Flüchtlinge informiert – am Beispiel von Barkhindo Diallo, der als Flüchtling eine Lehrstelle im Autohaus Berkemeier angetreten hat.

Es passt zu den Rufen aus Industrie und Gewerbe nach schnellerer Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt und Abschiebestopp für junge Flüchtlinge in Ausbildung, zu den Meldungen über unbesetzte Lehrstellen: „Es wird immer schwieriger, im handwerklichen Bereich Leute zu finden, die dann auch in der Firma bleiben“, stellte Günter Berkemeier, einer der Geschäftsführer des Autohauses Berkemeier, am Montag fest. Er saß dabei am Tisch mit SPD-Landratskandidat Dr. Stefan Giebel und Barkhindo Diallo. Der junge Mann aus Guinea, der im November nach bereits abgelehntem Asylantrag mit seinem Ausbildungsplatz bei Berkemeier zugleich eine dreijährige Duldung in Deutschland bekam, ist so etwas wie die Zukunft, wie sie sich Stefan Giebel im Kreis Steinfurt vorstellt.

Viele Azubis würden die Ausbildung als Sprungbrett nutzen, weniger gute Hauptschüler hätten mit zunehmender Computerisierung der Auto-Berufe kaum Chancen auf einen Abschluss – kurzum: „Im Handwerk fehlen Fachkräfte“, beschrieb Günter Berkemeier die Lage in seinem Unternehmen.

Zugleich stellte er fest, dass „unter den Zuwanderern viele sind, die wirklich wollen“. Allerdings müssten die flankierenden Hilfen beim Lernen der Sprache, bei der Bewältigung des Alltags stimmen.

Mit Stefan Giebel lag der Unternehmer da auf einer Wellenlänge. „Wir müsse Zuwanderung als Chance sehen“, rief der Kandidat auf und sah besonders bei jungen Flüchtlingen großes Potenzial für Ausbildung und Beruf. Integration, auch und besonders die am Arbeitsmarkt, schaffe Akzeptanz in der Bevölkerung. Nur müsse es schneller gehen, bevor die Menschen in ein großes Loch fallen. Eine Willkommenskultur will Giebel leben, das Verständnis für oft fremde Kulturen auch im Ausländeramt des Kreises fördern.

Giebel bekräftigte seine Forderung danach, angebotene Landesgelder für ein kommunales Integrationszentrum bei Kreis zu verwenden, das zum einen Kommunen und Flüchtlingsinitiativen vor Ort koordinieren und unterstützen, zum anderen Akteur am Arbeitsmarkt sein soll. Die Worte Fachkräftemangel und wachsende Zuwanderung passen bei Giebel gut in einen Satz.

Barkhindo Diallo und dessen Helferkreis haben seine Integration auch in die Arbeit geschafft – drei Jahre nach dem Asylantrag. Die nächsten gut zwei Jahre muss er nicht zurück in sein Heimatland, wo Kritik am Präsidenten nicht selten ins Gefängnis führt und die Todesstrafe vollstreckt wird. Termine mit Politikern und Presse, sagt Diallo mittlerweile, seien gut, um die Sprache zu üben.

► Bürgermeister Wilfried Roos hatte den Haupt- und Finanzausschuss darüber informiert, dass nach der Info-Veranstaltung zu den Flüchtlingen der Verwaltung weitere Wohnungen angeboten worden seien. „Die Gespräche laufen. In einem Fall war sogar von einem Kaufangebot die Rede.“

Die Verwaltung werde die Dinge sorgfältig prüfen. Aktuell seien alle Flüchtlinge untergebracht. „Und einmal ist sogar angeboten worden, dass jemand eine Person in seine Wohnung aufnehmen wollte.“ Auch der Fall werde geprüft.

Insgesamt könne er aber feststellen, dass die Willkommenskultur durchaus gelebt werde“, betonte Roos. Das werde auch unterstrichen durch die große ehrenamtliche Unterstützung.

Dieser Bericht stammt aus der Emsdettener Volkszeitung 01.09.2015Dr. Stefan Giebel bei Berkemeier